Nach unserem Dichterfürsten : Wer reitet so spät

Wer reitet so spät durch Sand und Sturm?
Es ist ein Syrer, gequält wie ein Wurm!
Er blutet, voll Panik, überall lauert nur Tod!
Er versucht zu entkommen, vor ihm liegt ein Flüchtlingsboot.

Mein Syrer, was verziehst Du so bang Dein Gesicht?
Siehst Du, Europäer, die Bomben denn nicht?
Die Bomben, Granaten, Raketenschweif?
Mein Syrer, ich kenn’s noch aus Büchern, es ist ein Nebelschweif!

“Du lieber Syrer, komm geh’ mit mir! Gar grausame Spiele spiel ich mit Dir!
Erst verkauf ich allen Bomben, und ich sahne dadurch ab,
und dann tu ich entrüstet über das Mittelmeer-Massengrab!”

Mein Europäer, mein Deutscher – und hörest Du nicht,
was Killer und Helfer, was die Geldgier verspricht?

“Mein Syrer, mich reizt Erdöl in jeder Gestalt!
Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt!”

Mein Europäer, mein Deutscher, jetzt fasst er mich an –
die Geldgier hat mir ein Leids getan!

Ein paar Gutmenschen grausets, die UNO mahnt geschwindt,
und man fragt sich wo Mut und wo Ehrlichkeit sind –
der Syrer erreicht die Grenze mit Müh und Not –
er bleibt im Stacheldraht hängen und über Nacht ist er tot.

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